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Stand: 27.08.2017

Neuigkeiten

Sexuelle Mythen entzaubert

 

Sexuelle Mythen halten sich noch immer hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen. Die Idee, wie "richtige" Sexualität auszusehen habe, Vorstellungen darüber, mit welchen Gefühlen Sex einhergehen sollte und welche Ursachen es für sexuelle Probleme gibt, sind weit verbreitet. Oft führen aber gerade diese Annahmen zu einem gesteigerten Leistungsbewusstsein, welches das intime Miteinander erschweren kann. Die Rubrik "Sexuelle Mythen entzaubert" soll in den nächsten Monaten ein wenig Licht ins Dunkel bringen und einige Vorstellungen in Frage stellen oder gerade rücken. In regelmäßigen Abständen wird ein sexueller Mythos entzaubert. Lassen Sie uns mit einer der beliebtesten Fehlannahmen beginnen, die sich im Bereich der Sexualität finden:

 

MYTHOS 1: Regelmäßiger Sex ist wichtig.

 

Was Menschen unter "regelmäßig" verstehen, ist individuell verschieden. Und auch bezüglich der Frage, wie wichtig dem Paar eine gewisse Regelmäßigkeit sexueller Kontakte ist, gibt es keine allgemein gültige Norm. In der Praxis zeigt sich vielmehr, dass sexuelle Beziehungen meist in Phasen verlaufen. So gibt es in Partnerschaften Phasen, in denen eine intensivere Sexualität gelebt wird, ebenso wie Phasen, in denen wenig oder keine intime Begegnung stattfindet. Gründe für Phasen mit wenig gelebter Sexualität können z.B. Schwangerschaften und die Zeit nach der Geburt eines Kindes, körperliche und psychische Erkrankungen oder eine hohe berufliche Anspannung sein. Insgesamt nimmt die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs in der Regel mit zunehmender Beziehunsdauer ab, wie vielfältige Studien aufzeigen. Die Idee, die Häufigkeit sexueller Kontakte müsse etwas Unveränderliches sein, kann unter Druck setzen und wird der Lebensrealität der meisten Paare nicht gerecht. 

 

MYTHOS 2: Sex muss immer Spaß machen.

 

Diese Einstellung setzt viele Menschen unter Druck. So ist Sex nicht jederzeit mit Spaß assoziiert, sondern manchmal geht er mit Gefühlen der Wut, Trauer, Müdigkeit, Rachegelüsten, Langeweile usw. einher. Realistischer ist, in der Partnerschaft sowohl mit gutem als auch schlechtem Sex zu rechnen.

 

MYTHOS 3: Sex ist nichts für ältere Menschen.

 

Eine Studie von Bucher und Kollegen (2003) mit 641 Männern und 857 Frauen im Alter von 45 bis 91 Jahren zeigt, dass die Sexualität bis ins höchste Lebensalter ein relevantes Thema bleibt. Selbst wenn die sexuelle Aktivität abnimmt, berichten die Befragten über eine hohe sexuelle Zufriedenheit. Auch der bekannte Sexualtherapeut David Schnarch meint, dass sich das erotische Potential einer Person erst im Laufe der Zeit entwickelt. Die therapeutische Praxis macht deutlich, dass besonders ältere Menschen ein gutes Gespür dafür haben, was sie sexuell mögen und ausleben wollen oder eben auch nicht, und dass das Thema Sexualität keinewegs der jungen Generation vorbehalten bleibt.

 

MYTHOS 4: Guter Sex ist immer spontan.

 

Die Idee, Sex zu planen, ist bei vielen Paaren verpönt. Zu unspontan, zu langweilig, so die Einstellung. Nur spontaner Sex sei guter Sex. Jedoch erhalten spontane Einladungen – besonders in langjährigen Beziehungen – auf Grund von mangelnder Energie oder Zeit, Kinderbetreuung, Krankheiten etc. häufig eine Abfuhr. Der Sexualtherapeut David Schnarch meint, dass Paare, die guten Sex haben, offen darüber sprechen, diesen planen und auch spontan sich bietende Gelegenheiten nutzen. Planung heißt auch, sich Zeit für den Anderen nehmen und der gemeinsamen Intimität einen besonderen Stellenwert beizumessen.

 

MYTHOS 5: Männer wollen jederzeit Sex.

 

Dieser beliebte Mythos versucht die männliche Sexualität stark zu vereinfachen. Die falsche Annahme, dass männliche Lust immer präsent sein müsse, führt oft dazu, dass Männer einen hohen Leistungsdruck empfinden.

In einer kürzlich erschienenen kanadischen Interview-Studie wurden 30 Männer im Alter von 30 bis 65 Jahren in Langzeitpartnerschaften nach Faktoren befragt, die ihre sexuelle Lust hemmen und fördern.

Dabei zeigte sich, dass es drei bedeutsame lustfördernde Faktoren gibt: sich von der Partnerin begehrt fühlen, aufregende und spontane sexuelle Begegnungen mit der Partnerin und intime Kommunikation. Männer beschrieben, dass ihr sexuelles Verlangen stark abhängig ist von der Interaktion mit der Partnerin.

Bei den hemmenden Faktoren wurden v.a. folgende drei Aspekte genannt: Zurückweisung durch die Partnerin, wenn der Mann eine sexuelle Handlung initiiert, körperliche Erkrankungen und ein schlechter Gesundheitszustand sowie ein Mangel an emotionaler Verbindung zur Partnerin.

Diese Studie zeigt eindrucksvoll, dass männliche Sexualität längst nicht so trivial ist wie es der weitverbreitete Mythos nahe legt, und dass auch das männliche Lustempfinden durch vielfältige Faktoren gesteigert oder gehemmt werden kann.

Quelle: Murray, S. H. et al. (2017). A qualitative exploration of factors that affect sexual desire among men aged 30 to 65 in long-term relationships. The Journal of Sex Research 54.3: 319-330.